9 Tipps um Kooperationen von Selbständigen erfolgreich zu starten

Teambuilding by Metakomm

Bei den meisten selbstständigen Trainer:innen, Berater:innen und Coach:innen hat die Pandemie abrupt das Geschäft durcheinandergewirbelt.

Bestehende Aufträge wurden verschoben oder storniert, Workshops und Beratungen sollten ab sofort in verkürzter Form virtuell stattfinden. Zusagen und Buchungen für das laufende Jahr und darüber hinaus reduzierten sich enorm. Daneben vervielfachen sich virtuelle Formate und kostenfreie Angebote explosionsartig.

Einige verharrten zunächst in einer gewissen Schockstarre, andere wurden schnell kreativ und liefen dann mit großem Vorsprung vorweg.
In jedem Fall bedurfte und bedarf es auch weiterhin kontinuierlich agiler Anpassung an die neuen Herausforderungen und Möglichkeiten, um weiter seine Tätigkeit zufriedenstellend ausführen zu können.

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  • Dieser Artikel ist mein Beitrag im Rahmen des Projektes #dieblogparade #durchgestartet – „Wie geht’s weiter?“ 1 Thema, 10 Expert:innen, 10 Artikel, 1 roter Faden. Ich freue mich, Mitglied dieses Projektteams zu sein. Wir schätzen den gegenseitigen Austausch und lernen voneinander.
    Mein Artikel schließt an Hendrik Ingrischs Artikel: „Emotionale intelligente Führung im Sport“ an, der auf den wesentlichen Faktor der Empathie in Teams hinweist.

Das virtuelle Netzwerken nimmt enorm zu

Eine sehr positive Entwicklung in der Pandemie ist für vielen Beratende der vermehrte und rege virtuelle Austausch untereinander, das Vernetzen deutschlandweit und auch global.
Das professionelle Netzwerken in den sozialen Medien, bspw. verstärkt auf LinkedIn, Facebook oder Instagram, erlebte bei Trainer:innen und Berater:innen einen großen Zulauf. Aktuell scheinen sich viele mit Begeisterung auf Clubhouse als neues Business-Netzwerk-Portal zu stürzen. Die Entwicklungen gehen also immer weiter.
Inzwischen spielt es kaum noch eine Rolle, wo der oder die andere sitzt. Zoom, Teams und Skype schaffen Verbindung und persönlichen Austausch. Slack, Miro, etc. bieten Möglichkeiten der virtuellen Zusammenarbeit.

Aus neuen Netzwerk-Bekanntschaften entstehen virtuelle Teams

Aus den gewachsenen Netzwerken entwickeln sich nun auch immer mehr Kooperations-Netzwerke, die gemeinsam Neues entwickeln und auf den Markt gehen wollen.
Diese Kooperations-Teams durchlaufen die gleichen klassischen Teambildungsphasen wie Fulltime-Teams in Organisationen. Ein wesentlicher Unterschied zu „regulär“ entstandenen Teams ist jedoch, dass den Beteiligten oftmals gar nicht bewusst ist, dass sich ein Team bildet, da die Zusammenarbeit mit einem unverbindlichen Kennenlernen startet, sich über losen und dann regelmäßigeren Austausch etabliert, bis sie mit einem Mal ein virtuelles Projekt-Team sind. In diesem eher unbewussten Entstehungsprozess werden aber schon Weichen gelegt, Rollen verteilen sich, Dynamiken bauen sich auf und es werden u.U. schon richtungsentscheidende erste Schritte getan.

Die Beratenden sind höchst erfreut über den Austausch mit Menschen der gleichen Profession, die in ähnlicher Situation sind, sodass oft mit großem Enthusiasmus und ordentlichem Tempo gestartet wird.
Die vielen Gemeinsamkeiten lassen dann am Anfang schnell ausblenden, dass es auch wesentliche Unterschiede geben kann, z.B. in der Haltung, in Werten, in Zielen, in der eigenen Verfügbarkeit oder auch im Perfektionsanspruch.

Es erfordert manchmal einige Courage mitten in der begeisterten Zusammenarbeit hörbar auf die Stopptaste zu drücken und zu fragen, wo man eigentlich hinmöchte, ob die Rollen gut verteilt sind, etc. U.U. möchte man nun nicht die Spaßbremse oder der/die Bedenkenträger:in sein. Genau hier können Missverständnisse entstehen, Gefühle und Bedürfnisse übergangen werden und erste Konflikte entstehen.

Worin liegt der Reiz der Kooperation?

Das Ziel einer Kooperation ist in der Regel, dass man gemeinsam mehr erreichen möchte. Eine erfolgreiche Kooperation stellt für alle Beteiligten eine win-win-Situation dar.

Viele Gründe sprechen für eine Kooperation:

  • Synergie-Effekte: Viele sind mehr als die Summe der einzelnen, sowohl was Ideen und Ansätze betrifft als auch was Umsetzungspower und Ressourcen angeht.
  • Mögliche Risiken werden auf mehrere Schultern verteilt.
  • Inhaltlicher Austausch und dazulernen. Gerade Einzelkämpfer:innen haben oft nur auf Fortbildungen die Gelegenheit zum fachlich inhaltlichen Austausch. Das regelmäßige Arbeiten im Team mit Kolleg:innen mit gleicher Profession genießen die meisten.
  • Enorme Erweiterung des Netzwerkes. Die Kooperation bringt eine große Steigerung der Sichtbarkeit und viele neue Kontaktmöglichkeiten mit sich.
  • Gegenseitiges Weiterempfehlen bei Kund:innen oder als „Co“ in Aufträge der anderen miteinbezogen werden.
  • Themen verwirklichen, die man als Einzelperson nicht alleine abdecken kann.
  • Das gute Gefühl dazuzugehören, einmal mehr als nur man selbst zu sein – das Wir-Gefühl: Gemeinsam sind wir stärker!

Wo liegt die Herausforderung bei Kooperationsteams von Selbständigen?

  • Führung, Organisation des Teams und Entscheidungsprozesse: Häufig wird die Diskussion dieser Fragen am Anfang außer Acht gelassen. Alle sind zu Beginn so begeistert über die gefundenen neuen Mitstreiter:innen, dass sich die meisten taktisch nicht gleich in den Vordergrund schieben wollen. Es etabliert sich eine gewisse Basisdemokratie. Das kann dann schwierig werden, wenn es echte unterschiedliche Meinungen zu inhaltlichen Punkten gibt. Wie wird jetzt entschieden? Nach dem Mehrheitsprinzip? Müssen alle ihr volles Ja geben? Desto fester die Meinungen und Positionen nun sind, desto schwieriger und anstrengender kann der Abstimmungsprozess nun dauern.
  • Selbständige sind in der Regel als Einzelkämpfer:innen am Markt. Sie treffen ihre eigenen Entscheidungen, sind neben ihrer beraterischen Tätigkeit auch gleichzeitig Buchhalter, Marketer und Unternehmensstrategen. Das „sich abstimmen“ und „Kompromisse schließen“ im Kooperationsteam kann da schon manchmal schmerzhaft und herausfordernd werden.
  • Die Partner:innen sind in der Zusammenarbeit unterschiedlich engagiert. Extrovertierte können die Meetings mit Vorschlägen, Ideen und Redezeit dominieren.
  • Nachlassendes Engagement der Teilnehmenden. Am Anfang mit viel Euphorie gestartet, aber dann merkt man, dass es mehr Arbeit ist und Zeit kostet und der Vorteil wird nicht mehr gesehen.
  • Die Aufgaben sind ungleich verteilt, unklar oder werden verschieden interpretiert.
  • Die Chemie zwischen den Partner:innen stimmt nicht oder lässt nach.
  • Es gibt unterschiedliche Sichtweisen, Ziele oder Prioritäten.
  • Es wurden keine oder zu wenige vertragliche Vereinbarungen getroffen, woraus Konflikte resultieren.
  • Ein Mitglied will sich über die Kooperation konsolidieren und sucht hauptsächlich nach dem eigenen Vorteil bzw. etwas mitnehmen zu können. Selber in das Team hinein geben fällt eher schwer.
  • Es gibt zwischenmenschliche Probleme.

Mögliche verborgene Wünsche und Bedürfnisse in Kooperationsteams:

Jede:r bringt in ein neues Team seine bisherigen Gruppen- und Zusammenarbeitserfahrungen mit ein, z.B. aus vorherigen professionellen Gruppierungen, aus privaten Zusammenhängen, aus dem Freundeskreis, der Herkunftsfamilie etc. Desto länger diese Erfahrungen her sind, desto weniger sind einem oft die Werte, Wünsche und Bedürfnisse, die dort entstanden sind, bewusst.

So geht man vielleicht rational mit dem klaren Vorhaben, eine win-win Beziehung mit den anderen aufzubauen zu wollen, in die Kooperation. Und tief innen schlummert vielleicht auch der Wunsch, als wertvoll und besonders gesehen und anerkannt zu werden, weil man dies in bisherigen Teams vermisst hat. Das jedoch birgt das Risiko von Enttäuschungen.

In Kooperationsteams ist auch oft der Wunsch nach Nähe unterschiedlich. Die einen suchen einen fachlichen Austausch und Synergien auf rein professioneller Ebene, während andere damit auch gerne ein freundschaftliches Verhältnis aufbauen möchten und dauerhafte Beziehungen aufbauen möchten.

9 Tipps, damit Ihr als Kooperationsteam konstruktiv zusammenwachsen könnt:

Damit die so verheißungsvoll entstandenen Kooperationen nicht in Kürze „im Knatsch“ wieder auseinandergehen oder nach und nach einschlafen, hier nun meine 9 wesentlichen Tipps zum erfolgreichen virtuellen Kooperations-Teambuilding:

Tipp 1: Frage dich in der Anbahnungs-Phase der Kooperation ehrlich:

  • Was habe ich davon? Was hat der/die potenzielle Partner:in in der Kooperation davon?
  • Bringt die Kooperation mein Geschäft, bzw. mich in meinen Zielen weiter?
  • Habe ich ausreichend Zeit, die ich in die Kooperation investieren kann und möchte?
  • Bin ich bereit im gleichen Maße zu geben und mich einzusetzen?

Aus der Beantwortung dieser Fragen, triff deine eigene und ehrliche Entscheidung, ob Du wirklich in die Kooperation gehen willst.

Tipp 2: Sobald absehbar ist, dass aus losen Treffen und lockerem Austausch ein gemeinsames Projekt wird, d.h. ein Ziel gefunden ist, an dem gemeinsam gearbeitet werden soll, nehmt Euch bewusst Zeit für ein Team-Kickoff. Damit definiert Ihr die Geburtsstunde Eures Teams.

Tipp 3: Lernt Euch untereinander besser kennen. Teilt Berufliches und Privates in Zweier-Settings und im gesamten Team. Zeigt Euch Eure Kompetenzen, Stärken und Schwächen und schaut, wo Ihr Euch ergänzt oder gegenseitig unterstützen könnt. Das ist wesentlich für ein wachsendes Vertrauen untereinander.

Tipp 4: Nehmt Euch Zeit, Eure eigene Team-Identität herauszubilden. Warum seid Ihr unverwechselbar? Was macht Euch zum Dream-Team? Warum seid gerade Ihr zusammen?

Gebt Euch als Team einen eigenen Namen. Vielleicht entwickelt Ihr Euch ein Logo, gestaltet eine eigene Webseite, eine Facebook-Seite, eine LinkedIn-Seite etc.

Tipp 5: Nehmt Euch zu Beginn Zeit, Euch zu folgenden Punkten auszutauschen:

  • Was sind meine Ziele?
  • Was sind die Werte und die Basis meiner Arbeit?
  • Welche Wünsche und Bedürfnisse habe ich an das Team?
  • Was kann und will ich geben? Wieviel Zeit will ich investieren? Was erwarte ich von den anderen?

Zur nachhaltigen Sicherung empfehle ich Euch, diese Themen schriftlich festzuhalten.

Tipp 6: Entscheidet Euch für ein Kollaborations-Tool, auf dem Ihr zusammenarbeitet und alle Ergebnisse sichert, bspw. Slack, Trello oder Miro.

Tipp 7: Tauscht euch am Anfang der Kooperation über folgende Punkte aus. Diese Punkte sind in Teams in Unternehmen oft schon geregelt, weil es dort bereits bestimmte Strukturen und Prozesse gibt.
Kooperations-Teams müssen das „from scratch“ erarbeiten. Das kann in besonders enthusiastischen Teams manchmal als lästige Bremse empfunden werden.

  • Wie sollen Entscheidungen getroffen werden?
  • Wer soll welche Rolle im Team haben?
  • Wie offen soll Euer Team für weitere Mitglieder sein?
  • Welche Rechte und Pflichten soll jede:r haben?
  • Welche Rechtsform hat das Team?

Tipp 8: Sobald Ihr in die inhaltliche Arbeit einsteigt und co-kreativ Neues entwickelt, vergesst auf keinen Fall die Abstimmung über folgende Fragen:

  • Wie werden Gewinne geteilt und Verluste gemeinsam getragen?
  • Wie könnt Ihr mit einer möglichen Wettbewerbssituation untereinander umgehen?
  • Wie und wann wird die Kooperation wieder beendet?
  • Was geschieht, wenn einzelne aussteigen wollen, bspw. mit dem gemeinsam erarbeiteten geistigen Eigentum, gemeinsamen Kunden etc.?

Tipp 9: Vergesst bei aller produktiven Zusammenarbeit nicht den Spaß, den informellen Austausch und gemeinsame Erlebnisse (auch virtuell), die nicht direkt mit Eurem Vorhaben zu tun haben.
Gönnt Euch miteinander auch einen virtuellen Feierabend-Drink oder was Euch miteinander Spaß macht.

Und ganz wichtig: Feiert alle Erfolge, die Ihr miteinander erzielt. Darauf dürft Ihr stolz sein!!!

Meine persönliche Erfolgsgeschichte:

Ich habe in meiner über 20-jährigen Selbständigkeit bereits in vielen Kooperationsteams mitgewirkt. Manche Erfahrungen waren sehr positiv, manche unbefriedigend und eins landete leider tatsächlich sehr unglücklich beim Anwalt.

Mein persönliches Kooperations-Highlight des Corona-Jahres 2020 war die Gründung des Global Group-Netzwerkes. Mit vier anderen Kolleg:innen haben wir im vergangenen März eine Kooperation gegründet und in kürzester Zeit ein wunderbares virtuelles Netzwerkformat entwickelt.
Den ersten Durchgang haben wir nun gerade nach 13 Wochen mit 17 Teilnehmenden beendet und großartiges Feedback bekommen. Das hat enormen Spaß gemacht und wir sind schon wieder beflügelt an der Ausarbeitung unserer nächsten Projekte.

Warum hat das so gut mit uns geklappt?

Zum einen passen wir einfach wie „Arsch auf Eimer“ und haben viel Energie und Lust für unsere Global Group. Zum anderen denke ich aber auch, dass wir einen guten und sorgfältigen Start genommen haben, der jetzt eine sehr stabile Grundlage für die Zusammenarbeit ist.

Globalgroup.network

Globalgroup.network

Wir haben uns miteinander viel Zeit genommen für unser eigenes Teambuilding und sind dabei die typischen „Tuckman-schen Phasen“ durchlaufen. Vom Forming über das Storming und Norming in eine ideenreiches und lustvolles Performing, das noch lange nicht beendet ist.

Vielen Dank an Nadine, Monique, Robert und Tanja 🙂

Im Rahmen der eingangs erwähnten Blogparade flogt auf meinem Artikel der meiner  Projektkollegin Dr. Irène Kilubi betrachtet ab dem 22.02.21 das Thema „Zusammenarbeit“ aus einer weiteren wichtigen Perspektive: Die Zusammenarbeit von Alt und Jung. Sie nennt uns die dazu gehörigen Erfolgsfaktoren und stellt uns den neuen Beruf „Generationenmanager” vor. Dessen Aufgabe ist es, mit mediatorischen Fähigkeiten die unterschiedlichen Generationen in der Arbeitswelt zusammenzubringen.
Lesen Sie diesen Artikel gerne hier.

Wenn Sie am Teambuilding Ihres Team arbeiten möchten, helfe ich Ihnen gerne dabei.
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