8 Ideen für Teams zum Weiterentwickeln vom agilen Mindset

Metakomm Teamentwicklung Agiles Mindset

Ein agiles Mindset bildet sich durch die Flexibilisierung des Denkens und eine Erweiterung und Veränderung der „gewohnten Trampelpfade“ im Hirn aus. Für die Anregung des agilen Mindsets gibt es für Teams eine Reihe spannende Übungen und Challenges, von denen ich hier einige vorstellen werde.

In diesem Artikel finden Sie Ideen, wie Sie die „agile Denke“ in ihrem Team reflektieren können und acht Aufgaben, die sich Teams stellen können, um gemeinsam ihr agiles Mindset auf- und auszubauen.

Was ist ein agiles Mindset?

Ein Mindset besteht aus der inneren Haltung, Grundeinstellung, Glaubenssätzen und den persönlichen Werten eines Menschen. Es bestimmt wie und welche Informationen wir aufnehmen, wie wir Informationen bewerten, welche Gefühle in uns ausgelöst werden und welche Handlungen wir aus Situationen ableiten.

Ein agiles Mindset ist eine Denk- und Handlungslogik, die die Voraussetzung von Agilität ist.

Im Gegensatz zu einem starren Mindset, nach Carol Dweck ein „fixes mindset“, das die Haltung vertritt: Mindset ist eine Konstante, es ist, wie es ist, steht ein agiles Mindset für ein „growth mindset“, in dem man davon ausgeht, dass das Mindset sich ständig weiterentwickelt. Alles ist im ständigen Wandel und so muss auch die eigene Haltung und Denkweise ständig kritisch überprüft und reflektiert werden.
Agiles Arbeiten verlangt ein hohes Maß an Eigenverantwortung, Kritikfähigkeit und die Bereitschaft zur Selbstreflexion.
In agilen Teams sind alle gefordert, die Ergebnisse ständig auf den Prüfstand zu stellen und wenn nötig Kursänderungen vorzunehmen. Dazu sind ein hohes Maß an Selbstorganisation und Motivation nötig.
Ein agiles Mindset kann man nicht schulen, aber man kann sich bewusst Aufgaben und Herausforderungen vornehmen, mit denen sich ein agiles Mindset entwickeln kann. Diese Entwicklung hat keinen Abschluss, es gibt keinen „Download completed“, sondern sie ist ein dauerhafter Prozess für Einzelne und Teams.

Wie agil sind die Haltung und Denkweise in Teams?

Wird ein Team automatisch agil, wenn es morgens um ein Taskboard zum Daily Standup steht, wenn Positionstitel neue „schicke“ Namen bekommen, sich alle bis zum Vorstand duzen oder ein Online-Kollaborationstool eingeführt wird?
Das alleine reicht nicht. Denn gehen die Teammitglieder noch mit einer traditionellen Denk- und Handlungslogik an ihre Aufgaben, bewegt sich auch mit neuen Tools wenig in Richtung Agilität.
Wie wir denken, fühlen und handeln, ist geprägt von unserer Sozialisation und unseren gemachten Erfahrungen. Unsere Haltung, Erwartungen und Bewertungen verfestigen sich von den Kindestagen an und sind als Erwachsener ziemlich stabil.
Ein stabiles Mindset ermöglicht es, uns in Situationen intuitiv zu verhalten und uns in Standardsituationen überwiegend automatisiert zu verhalten.
Zum einen ist das eine Entlastung: Wir müssen nicht in jeder Situation unsere Haltung und Vorgehensweise von null auf neu durchdenken. Zum anderen lässt es uns häufig unreflektiert die immer gleichen Dinge tun, denken und fühlen. Mit Routinen und Standards stoßen wir allerdings in der sich immer schneller verändernden Welt immer häufiger an Grenzen.

Weshalb muss das agile Mindset weiterentwickelt werden?

  • Einige Fähigkeiten und Kompetenzen, die im Zeitalter der Industrialisierung sehr wichtig waren, sind für viele noch heute eine Richtschnur: Harte Arbeit nach Vorgaben, technische Fähigkeiten und Fertigkeiten, Optimierung von Prozessen. Das erfordert analytisches Prozessdenken, Regeleinhaltung und Konformität. Arbeit soll möglichst immer effizienter werden. Menschen orientieren sich, um erfolgreich zu sein an Best Practice und Vorgaben.
  • Unsere Lebens- und Arbeitsbedingungen verändern sich in rasanten Schritten durch die Digitalisierung. Wenn wir uns nicht anpassen und mitlernen, besteht die Gefahr, sich in der modernen Welt nicht mehr zurecht zu finden und abgehängt zu werden.
  • Die meisten Menschen haben die folgenden oder ähnliche Aussagen in Ihrer Sozialisation oft gehört:
    – Das Leben ist kein Wunschkonzert.
    – Nur der Beste gewinnt den Preis.
    – Es ist entweder gut oder schlecht.
    – Erfolgreiche Vorhaben werden von Anfang bis Ende gut durchdacht.
    – Immer sachlich bleiben.
    – Über Gefühle reden ist Frauenkram.
    – Es gibt immer einen Schuldigen.
    Die Haltung, die zu solchen Aussagen führt, ist typisch für ein festgefahrenes unbewegliches Mindset (s.o. fixed mindset).
  • Die Kompetenzen, die es zu erlernen gilt, um sich in der digitalen Welt zu bewegen, sind andere. Diente Lernen und Bildung bisher überwiegend einem Anpassen an Leistungsstandards, geht es im Zeitalter der Digitalisierung zunehmend um die Herausbildung von Fähigkeiten wie: Die Dinge zu hinterfragen, Wissen sinnvoll abrufen und recherchieren zu können, vermeintliche Fakten kritisch zu hinterfragen, Erfahrungen, Kenntnisse und Fähigkeiten zu verknüpfen und weiterzuentwickeln.
  • Kreativität, Intuition und Empathie sind die wichtigen Kompetenzen für eine Arbeitswelt in der es um Sinn, Innovation und Teilhabe aller Menschen geht. In den herkömmlichen Schulsystemen und der allgemeinen Sozialisation werden diese Kompetenzen bisher wenig gefördert. (Ausnahmen gibt es natürlich immer.)

Check: Wie agil ist das Mindset in unserem Team?

Die Denk- und Handlungslogik in einem Team lässt sich an den Handlungs- und Verhaltensweisen der Teammitglieder beobachten.
Bei Svenja Hofert habe ich folgende Beobachtungsfragen zum agilen Mindset in Teams gefunden, von denen ich einen Auszug hier vorstellen möchte:

  • Wie gut kann ein Team damit umgehen, wenn eine Situation nicht eindeutig ist? Entsteht Stillstand? Wird Rat bei Autoritäten gesucht? Geht das Team in Austausch miteinander?
  • Wie groß und klar sind die Handlungsspielräume für eigene Entscheidungen im Team?
  • Sieht das Team das Thema Lernen und Weiterentwicklung als ein Kernthema, das alle kontinuierlich angeht? Ist das Lernen dabei nur auf fachliche Inhalte beschränkt oder auch auf die Zusammenarbeit untereinander bezogen?
  • Ist jede/r in der Lage in kritischen Situationen situativ die Führung zu übernehmen?
  • Kann das Team sich selbst Ziele setzen, diese überprüfen und gegebenenfalls verändern?
  • Kann das Team organisationale und teambezogene Regeln einhalten, modifizieren und begründet brechen?
  • Ist das Team im aktiven und fruchtbaren Austausch mit anderen Stakeholdern im Unternehmen, um sich und andere weiterzuentwickeln?

Die Beobachtungen kann man folgendermaßen auswerten: Desto weniger diese Fragen für ein Team mit Ja beantwortet werden können, desto weiter ist man hier noch von einem agilen Mindset entfernt.

Welche Entwicklungsfelder gibt es für ein agiles Mindset?

Im Team sollten es sich alle zur kontinuierlichen Entwicklungsaufgabe machen, ihr agiles Mindset weiterzuentwickeln.

Folgende Entwicklungsfelder bieten sich dafür an:

  • Flexibler, freier im Denken werden
  • Spiel- und Experimentierfreude ankurbeln
  • Sich mutiger in Unbekanntes wagen
  • Förderung von Kreativität
  • Stärkung der Empathie
  • Selbstreflexion im Abgleich mit Feedback im Team

8 Übungen für Teams

Im Folgenden schlage ich Ihnen acht verschiedene Team-Übungen vor, die verschiedene Aspekte des agilen Mindsets anregen. Die Aufgaben habe ich Svenja Hoferts „Mindshift“ entnommen, das ich zum Vertiefen des Themas gerne weiterempfehle.

Die Durchführung der Übungen ist einfach. Das Team setzt sich zusammen und diskutiert die Aufgabenstellung. Manche Übungen sind direkt durchführbar, für andere muss zunächst ein Zeitrahmen zur Umsetzung definiert werden. Nach der Umsetzung tauschen sich alle Teammitglieder aus, wie es ihnen mit der Übung ging, welche Erfahrungen sie gemacht haben, was ihnen leichtfiel und was nicht so einfach umzusetzen war.

Im Sinne des oben angesprochenen offenen und fortlaufenden Entwicklungsprozesses ist es wichtig, dass das Team in der Auswertung nicht durch ein Bewerten des Prozesses (wer hat es richtig gemacht), ein Sammeln von besten Ergebnissen (was halten wir nun als best practice fest) und den Versuch, neue Regeln abzuleiten (was ist jetzt der beste Prozess) wieder in eine herkömmliche Denk- und Betrachtungsweise zu geraten. Bei den Übungen geht es vordringlich um das Erleben und sich dazu austauschen.

Übung 1 – Unsinnige Regeln: Jede/r schreibt auf, welche Regeln in der Organisation bzw. im Team gelten, die für sie/ihn keinen Sinn machen. Tauschen Sie sich mit dem Team darüber aus und begründen Sie Ihre Entscheidung. Was sehen Sie und was die anderen? Überlegen Sie, welche Regeln Sie zukünftig streichen können und eventuell welche neuen hinzukommen sollten.

Übung 2 – Flexiquenz: Flexibilität hilft beweglich zu bleiben, Konsequenz hilft strukturiert die Dinge zu Ende zu bringen. Beide Aspekte haben Vor- und Nachteile. Ordnen Sie sich auf einer Skala von null bis zehn ein, wo stehen Sie bei beiden? Wie können Sie mehr von dem erlangen, was bei Ihnen geringer ausgeprägt ist? Bitten Sie Teammitglieder um Tipps und geben sich gegenseitig Feedback.

Übung 3 – Gesunder Streit: Diskutieren Sie im Team: Wie sieht bei uns gemeinsames Streiten aus, innerhalb vom Team und außerhalb? Wenn Sie das Wort Streiten durch „Ringen um die beste Lösung“ ersetzen, wie würde sich Ihr Blick verändern? Würde sich Ihr Verhalten in der Situation verändern?

Übung 4 – Nudging: Nudge heißt Anstupser. Nudging bedeutet, etwas durch die Gestaltung des Rahmens und der Umgebung so zu gestalten, dass ein bestimmtes Verhalten begünstigt wird. Beispielsweise erhöht ein sichtbarer Timer im Meetingraum das Zeitbewusstsein. Diskutieren Sie im Team: Was möchten Sie in welche Richtung positiv beeinflussen? Wie könnten Sie nudgen? Finden Sie mindestens 10 Ideen im Team und überlegen Sie, welche Sie davon umsetzen wollen.

Übung 5 – Alles fließt: Jede/r schreibt für sich zehn Aspekte auf, die sich in Ihrem Umfeld/ Ihrer Organisation in den letzten 21 Tagen verändert haben. Vergleichen Sie dann. Welche Wahrnehmungen sind ähnlich? Welche unterschiedlich? Wie erklärt sich Verschiedenheit?

Übung 6 – Richtungswechsel: Tauschen Sie sich im Team zu Ihren alltäglichen Routineverhalten aus. Gehen Sie jeden Morgen denselben Weg zur Arbeit? Kaufen Sie immer die gleichen Lebensmittel? Verbringen Sie Ihre Mittagspausen immer mit den gleichen Kollegen? Vereinbaren Sie eine Phase in der jede/r einmal bewusst etwas anders tut und tauschen sich anschließend zu Ihren Erfahrungen aus.

Übung 7 – 3 x Danke: Herrscht in Ihrem Team das „Nicht-geschimpft-ist-genug-gelobt-Prinzip“? Dann nehmen Sie sich gemeinsam vor über einen bestimmten Zeitraum ganz bewusst Kolleginnen zu danken, am besten 3 mal täglich. Tauschen Sie sich dazu aus. Wie ging es Ihnen damit zu danken, bzw. Dank zu erhalten? Was ist schwierig dabei? Was fällt leicht? Was tut gut? Was ist zu viel?

Übung 8 – Schrauben lockern: Denken Sie an ein Thema, das für Sie Relevanz hat und das Sie Ihrer Ansicht nach gut verstanden und durchdrungen haben. Fragen Sie drei verschiedenen Personen, wie deren Verständnis dieses Themas ist. Tauschen Sie sich dazu aus, ob die erhaltenen Antworten dazu beitragen, Ihr eigenes Bild zu verändern und feste Annahmen zu lockern.

Fazit

In der heutigen Arbeitswelt ist zunehmend ein agiles Mindset gefragt. Teams können sich in der Ausbildung ihrer agilen Haltung und Denkweise gegenseitig unterstützen, indem sie ihr agiles Mindset zum kontinuierlichen Entwicklungsthema im Team machen.
Gemeinsame Teamaufgaben und kleine Challenges geben Anlass zum Austausch und zur gemeinsamen Weiterentwicklung. Und neben der Entwicklung des agilen Mindsets machen sie auch Spaß und helfen den Teammitgliedern immer wieder neue Seiten voneinander kennenzulernen.

Wenn Sie in Ihrem Team das agile Mindset weiterentwickeln wollen, erreichen Sie mich, indem Sie auf den orangenen Button klicken.

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